"Warum muss ein funktionierendes Schulsystem ohne Not und vor allem ohne inhaltliche Vorbereitung geändert werden?" Oder: "Ist das alles tatsächlich zum Wohl meines Kindes?" Solche und ähnliche Fragen haben die Teilnehmer am "Bürger-Dialog" der CDU Bad Schönborn zum Thema Schulentwicklung beschäftigt.
Kreis- und Gemeinderat Bernhard Steltz stellte den zahlreichen Gästen in einer detaillierten Präsentation die aktuellen Entwicklungen der Schullandschaft dar. Auf großes Interesse der vielen anwesenden Eltern stießen dabei vor allem die Erläuterungen zur Lehr- und Lernkultur an Gemeinschaftsschulen beziehungsweise die Voraussetzungen, die eine Gemeinde vorweisen muss, um Standort für eine Gemeinschaftsschule werden zu können. Seit über einem Jahrzehnt gebe es einen starken Rückgang bei den Übergangszahlen von der Grundschule zu den Hauptschulen.
„Dieses veränderte Schulwahlverhalten und die demografische Entwicklung machen es dringend notwendig, die regionale Schulentwicklung zu aktualisieren“, so Steltz. Die prognostizierte demografische Entwicklung für Bad Schönborn und die Stellung der Gemeinde als Unterzentrum im nördlichen Landkreis seien wichtige Faktoren, um die Bewerbung für eine Gemeinschaftsschule zu prüfen. Allerdings müsse das von den Schulen am Ort gewünscht sein, was für die Michael-Ende-Werkrealschule zutreffe, nicht aber für die Realschule. Dort sei unter anderem zu befürchten, dass durch die Umwandlung in eine Gemeinschaftsschule die besonderen Angebote nicht weiter bestehen könnten.
Die CDU-Fraktion im Gemeinderat habe die landesweite Entwicklung frühzeitig erkannt und deshalb unter anderem die Einrichtung einer Arbeitsgruppe „Schulentwicklung“ initiiert. In enger Abstimmung mit der Verwaltung und den anderen Gemeinderatsfraktionen habe diese Gruppe beispielsweise Gespräche mit dem Staatlichen Schulamt und dem Kultusministerium geführt. Wichtig sei, die von der Michael-Ende-Werkrealschule angestrebte Bewerbung für eine Gemeinschaftsschule im Dialog mit den Nachbargemeinden umzusetzen. „Es geht uns darum, das Beste für die Kinder zu erreichen und gleichzeitig den Schulstandort Bad Schönborn zu sichern. Immerhin hat die Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten auf diesem Sektor enorm investiert“, betonte Steltz zusammen mit seinen CDU-Gemeinderatskollegen Brigitte Müller und Alexander Billmaier.
Viele der Anwesenden äußerten ihren Unmut über die anstehenden Veränderungen. „Wir haben mit unserem Berufsschulsystem einen sehr guten integrativen Bildungsweg. Den zu zerstören ist schlichtweg nicht nachzuvollziehen“, so die Kritik eines bekennenden bisherigen SPD-Wählers.
"Wir haben mit der Veranstaltung die Sorgen und Nöte der Eltern und vieler Lehrer aufgenommen. Offensichtlich herrscht hier großer Klärungsbedarf“, zeigte sich der Schriftführer des CDU-Gemeindeverbandes und Moderator der Veranstaltung, Jochen Fellhauer, mit der großen Resonanz und dem intensiven Meinungsaustausch sehr zufrieden. Die Veranstaltungsreihe „Bürger-Dialog“ sei ein gemeinsames Angebot des CDU- Gemeindeverbands und der CDU-Gemeinderatsfraktion an die Bürgerinnen und Bürger, um aktuelle Themen miteinander zu diskutieren. Entsprechend werde es nach der Sommerpause eine Fortsetzung der Reihe geben. (abi)